Der große Erziehungsirrtum: Wie gut gemeinte Überbehütung Narzissmus fördern kann
Eltern möchten für ihre Kinder nur das Beste: Sie sollen selbstbewusst, stark und voller Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten heranwachsen. Problematisch kann es werden, wenn Kinder dauerhaft idealisiert, vor jeder Frustration geschützt und in ihrem Selbstbild kaum korrigiert werden. Solche Muster können narzisstische Züge begünstigen – und zugleich echte Frustrationstoleranz und Resilienz schwächen.
Lobeshymnen ohne Erdung: Der Unterschied zwischen Selbstwert und Narzissmus
Ein stabiler Selbstwert entsteht nicht daraus, sich anderen überlegen zu fühlen, sondern aus emotionaler Sicherheit, realistischer Rückmeldung und der Erfahrung, auch mit Fehlern angenommen zu werden. Narzisstische Züge können dagegen durch ständige Überbewertung, Konkurrenzdenken und Idealisierung verstärkt werden.
- Gesunder Selbstwert: „Ich bin wertvoll, auch wenn ich Fehler mache.“
- Narzisstische Selbstüberhöhung: „Ich bin besonders – und brauche Bestätigung, dass ich besser bin als andere.“
Wird das Selbstbild stark von äußerer Bestätigung abhängig, können Kritik, Niederlagen und Frustrationen besonders schwer auszuhalten sein.
Die Helikopter-Falle: Warum Frustrationstoleranz gelernt werden muss
Kinder brauchen altersgerechte Herausforderungen. Werden ihnen dauerhaft alle Hindernisse aus dem Weg geräumt, fehlt die Gelegenheit, Rückschläge auszuhalten, Lösungen selbst zu finden und Vertrauen in die eigene Bewältigungsfähigkeit aufzubauen.
Drei Prinzipien für eine gesunde kindliche Entwicklung
- Anstrengung statt Überlegenheit loben: Den Lernprozess, Ausdauer und Einsatz würdigen statt pauschal „Du bist der Beste“ zu vermitteln.
- Konstruktive Grenzen setzen: Liebevolle, verlässliche Grenzen geben Orientierung und helfen Kindern, mit Frustration umzugehen.
- Empathie im Alltag vorleben: Die Gefühle und Bedürfnisse anderer sichtbar machen und Rücksichtnahme im Familienalltag einüben.
💡 Buch-Empfehlung für Eltern & Pädagogen:
„Der große Erziehungsirrtum: Wie wir unsere Kinder zu Narzissten machen“ von Psychotherapeutin Helene Drexler.
Das Buch zeigt, wie überhöhte Erwartungen, fehlende Grenzen und permanente Idealisierung die Selbstwertentwicklung beeinflussen können – und welche erzieherischen Alternativen es gibt.
Helene Drexlers Ansatz: Wertschätzung ohne Überhöhung
Helene Drexler ist Psychotherapeutin und Vorsitzende der Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse. In ihrem Buch verbindet sie Beobachtungen aus der psychotherapeutischen Praxis mit einer existenzanalytischen Perspektive auf Erziehung, Selbstwert und Narzissmus. Im Zentrum steht ein wertschätzender Blick auf das Kind – ohne es auf ein Podest zu stellen oder notwendige Grenzen aufzugeben.
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Häufige Fragen zu Erziehung und Narzissmus
Wie können Erziehungsmuster narzisstische Züge bei Kindern begünstigen?
Problematisch kann eine Kombination aus ständiger Überhöhung, fehlenden Grenzen und dem Abschirmen vor jeder Frustration sein. Das bedeutet nicht, dass Erziehung allein eine narzisstische Persönlichkeitsstörung verursacht. Persönlichkeit entsteht aus mehreren biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren.
Was ist der Unterschied zwischen gesundem Selbstwert und Narzissmus?
Gesunder Selbstwert ist relativ stabil und erlaubt es, Fehler und Kritik auszuhalten. Narzisstische Selbstüberhöhung ist stärker auf Vergleich, Bewunderung und Bestätigung von außen angewiesen und kann bei Kränkungen besonders fragil reagieren.
Wie stärkt man Frustrationstoleranz bei Kindern?
Hilfreich sind altersgerechte Herausforderungen, verlässliche Grenzen und die Möglichkeit, kleine Niederlagen selbst zu bewältigen. Eltern können unterstützen, ohne jedes Problem sofort zu lösen, und dabei Gefühle anerkennen, ohne alle Wünsche erfüllen zu müssen.







